Heute möchte ich mit dir über ein wichtiges Thema sprechen: Orthorexia nervosa.

Was ist das?

Darunter wird eine Essstörung verstanden, die sich durch ein krankhaftes Verlangen nach gesunder Ernährung äußert. Es geht also nicht um eine Angst vor der Essmenge sondern vielmehr um die Angst vor schlechter Qualität.

Jetzt wirst du dich sicher fragen, wieso um alles in der Welt ein Blog, der sich mit gesunder Ernährung beschäftigt, dieses Thema aufwirft. Ganz einfach: Weil ich seit Anfang an immer eine gesunde Ballance predige.

Alles kannst du ZU intensiv betreiben und als Leitsatz orientiere ich mich daher immer gerne daran: „Alles, was ZU … ist, ist nicht gut„.

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Laktosefrei, Vegetarisch, Vegan, Paleo-Diät, Atkins-Diät, kein Zucker, keine Kohlenhydrate, Superfoods, Smoothiekuren, nur mehr Bio-Produkte, kein Fett, ausnahmslos Rohkost … Die Liste an vermeintlich richtigen Lösungen für eine perfekt-gesunde Ernährung ist endlos.

Entdeckt ist diese „Krankheit“ im Jahr 1997 von einem Alternativmediziner namens Dr. Bratman  worden. In der wissenschaftlichen Medizin ist dieses Krankheitsbild allerdings nach wie vor umstritten und nicht offiziell anerkannt.

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Es wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass etwa 1-2 % der deutschsprachigen Bevölkerung klassische Verhaltensmuster von Orthorexie nervosa zeigen.

Gerade die vermeintliche Sicherheit, einen exakten Weg gegen Krankheiten gefunden zu haben, motiviert viele Menschen zu immer krasseren Denkmustern. Denkmuster, aus denen viele plötzlich nicht mehr hinauskommen.

Das geht so weit, dass viele Eltern ihre Kinder bereits von Geburt an radikalen Ernährungsmethoden aussetzen, was im schlimmsten Fall zu Entwicklungsstörungen führen kann.

So wird vielen Lebensmittel nicht mehr nur der „gesund-ungesund“ Faktor vergeben, sondern auch eine moralische Haltung ala „gut-schlecht“ damit in Verbindung gesetzt.

Was genau soll Orthorexia nervoa sein?

Darunter wird die radikale Vermeidung von ungesundem Essen verstanden. Dabei gibt es einen schmalen Grad zwischen einem Lebensstil und einem Druck, ständig ein gewissen Verhalten einhalten zu müssen.

Die Liste verbotener Lebensmitteln wird immer länger und die Rezepte auf den Tellern immer eintöniger.

Ein genaues Krankheitsbild exisitiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht, allerdings haben einiges Ernährungswissenschaftler mittlerweile diverse Anhaltspunkte herausgefiltert. Darunter fallen unter Anderem:

  • Ständiges Denken an gesundes Essen
  • Starke Schuldgefühle bei Abweichen der selbst auferlegten Ernährungregeln
  • Das Verhalten geht über einen längeren Zeitraum
  • Es sind bereits Auswirkungen auf die Lebensqualität entstanden, wie zum Beispiel der völlige Verzicht, gemeinsam mit anderen Menschen zu Essen
  • Gefühle von Überlegenheit anderen Menschen gegenüber
  • Das Bedürfnis, andere Menschen auf die gleiche „Schiene“ zu missionieren
  • Gesundheitliche Schäden und Mängelerscheinungen

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Ursachen

Alle Arten von Essstörungen sind meist ein Sprachrohr für eine Fülle an äußerst unterschiedlichen seelischen oder körperlichen Problemherden. Darunter Fallen etwa Wut, Unsicherheiten, Ängste und Probleme innerhalb der Familie oder des Freundeskreises. Dadurch wird mittels strenger Essregeln versucht, den Kontrollverlust in den anderen Gebieten zu kompensieren.

Aber auch Gewichts- oder Gesundheitsmotive sind häufig der erste Anstoß zu einer intensiven Auseinandersetzung gesünderer Ernährung. Daraus ergeben sich dann oft Kreisläufe, aus denen die Betroffenen nicht mehr entfliehen können.

Durch eine exzessive Begutachtung der zu konsumierenden Lebensmittel und ewigem Grübeln vor Nährwerttabellen wird versucht, sändig Zugriff zu noch gesünderen Lebensmitteln zu bekommen. Durch diverse Lebensmittelskandale werden zusätzlich immer mehr Lebensmittel von der erlaubten „Liste“ gestrichen.

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Folgen der Krankheit

Wie du vermutlich schon erraten hast, hat eine derartige Lebenseinstellung deutliche Konsequenzen. Zunächst verlieren diese Menschen die Lust am Essen (was unfassbar schade ist), ersetzen die Lust mit Panik und Kontrolle und leiden außerdem häufig unter Nährstoff-Mangelerscheinungen und Gewichtsverlusten.

Konkrete Beispiele von Mangelerscheinungen sind starke Müdigkeit, weniger Leistungsfähigkeit, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit. So habe ich beispielsweise bereits in einem anderen Artikel darüber geschrieben, was für überraschende Auswirkungen zu wenig Flüssigkeitskonsum auf dich haben kann.

Aber auch gesellschaftssoziale Folgen sind eine Konsequenz derartiger Lebensweisen. Denn durch derartig radikale Ernährungen ist es kaum mehr möglich, in Gesellschaft mit Freunden, Familie und Geschäftspartnern zu essen.

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Orthorexia nervosa ist eine Art „freiwillige“ Isolierung

Eine Ursache ist oft das Bedürfnis nach Kontrolle. Durch streng kontrollierte Ernährung soll Kontrollverlust aus anderen Lebensbereichen kompensiert werden können. Diese Krankheit kann zwar grundsätzlich jeden treffen, die am häufigsten betroffene Gruppe soll allerdings gebildete Frauen zwischen den 20ern und 40ern sein.

Diagnose

Eine klare Diagnose fällt der Medizin enorm schwer. Zum einen liegt das daran, dass bisher kaum Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorliegen und zum anderen, da Betroffenen häufig nicht bewusst ist, überhaupt betroffen zu sein. Gedanken wie „ich ernähre mich ja sehr gesund“ führen dazu, dass diese Menschen oft erst in extremen Fällen gravierender Mangelerscheinungen oder bei krassem Untergewicht nach Hilfe suchen.

Dr. Bratman, der „Erfinder“ des Wortes Orthorexie nervosa hat 1997 einen Test entwickelt, der eine Art Leitfaden für eine potentielle Erkrankung darstellen soll. Probiere ihn doch selbst einmal aus:

Der originale Bratman-Test

Im Internet schwirren diverse – häufig individuell angepasste – Tests herum, ich halte mich hier allerdings an dem originalen Test von der offiziellen Internetseite des Steven Bratman (die Übersetzung ist direkt danach):

(1) I spend so much of my life thinking about, choosing and preparing healthy food that it interferes with other dimensions of my life, such as love, creativity, family, friendship, work and school.

(2) When I eat any food I regard to be unhealthy, I feel anxious, guilty, impure, unclean and/or defiled; even to be near such foods disturbs me, and I feel judgmental of others who eat such foods.

(3) My personal sense of peace, happiness, joy, safety and self-esteem is excessively dependent on the purity and rightness of what I eat.

(4) Sometimes I would like to relax my self-imposed “good food” rules for a special occasion, such as a wedding or a meal with family or friends, but I find that I cannot. (Note: If you have a medical condition in which it is unsafe for you to make ANY exception to your diet, then this item does not apply.)

(5) Over time, I have steadily eliminated more foods and expanded my list of food rules in an attempt to maintain or enhance health benefits; sometimes, I may take an existing food theory and add to it with beliefs of my own.

(6) Following my theory of healthy eating has caused me to lose more weight than most people would say is good for me, or has caused other signs of malnutrition such as hair loss, loss of menstruation or skin problems.

Frei übersetzt bedeutet das in deutscher Sprache:

(1) Ich verbringe so viel Zeit damit zu überlegen, welches gesunde Essen ich auswähle und zubereite, dass das in andere Bereichen meines Lebens wie meiner Kreativität, Familie, Freundschaften, Arbeit und Ausbildung eingreift.

(2) Wann auch immer ich etwas Ungesundes esse, fühle ich mich schuldig, schmutzig, unrein oder ängstlich; selbst in der Nähe von solchem Essen zu sein, bringt mich zum Urteilen über andere Menschen.

(3) Mein persönlicher Frieden, mein Empfinden für Glück, Freude und Selbstwertgefühl ist stark davon abhängig, wie klar und rein ich mich ernähre.

(4) Zu besonderen Anlässen wie etwa einer Hochzeit oder einem Essen mit der Familie oder mit Freunden würde ich gerne eine Ausnahme zu meinen selbst auferlegten strengen Regeln machen, aber das gelingt mir nicht (Anmerkung: Wenn du konkrete medizinische Auflagen hast, die dich dazu zwingen, gewisse Lebensmittel zu vermeiden, dann gilt dieser Punkt nicht für dich).

(5) Ich habe im Lauf der Zeit immer mehr Lebensmittel verbannt und immer strengere Regeln zur Ernährung entwickelt, um meine gesundheitlichen Vorteile zu verbessern oder meine Gesundheit zu halten; manchmal bearbeite ich bestehende Ernährungstheorien nach meinen Vorstellungen.

(6) Durch meine Ernährung habe ich mehr Gewicht verloren, als die meisten Menschen gut heißen würden oder ich leide unter Mangelerscheinungen wie zum Beispiel Haarausfall, Menstruationsbeschwerden oder Hautproblemen.

Therapie und Behandlung

Eine derartige Essstörung wird wie andere Störungen therapiert. Das Ziel ist es, wieder zu normalerem Essverhalten zu finden und sich entspannt ernähren zu können. Auch das Essen ungesunder Lebensmittel muss sich jeder mit gutem Gewissen gelegentlich gönnen können. Im schlimmsten Fall kann eine Behandlung bis zur Psychotherapie oder sogar zu stationärer Aufnahme führen.

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Das größte Problem ist, dass unter Orthorexia nervosas leidende Menschen sehr häufig nicht eingestehen können, dass sie krank sind. Da meist Menschen darunter leiden, die sich gut mit Ernährung auskennen, sind sie auch oft unbelehrbar.

Ein zusätzlicher Grund, dass dieses Phänomen vergleichsweise jung ist, ist der Umstand, dass heutzutage der Luxus besteht, sich zu jeder Jahreszeit die gewünschten Lebensmittel aussuchen zu können. Diesen Luxus haben Nachkriegs- und andere ältere Generationen nicht gehabt. Durch diese Menge an Auswahlmöglichkeiten kann eine viel individuellere Ernährung entwickelt werden.

Vorbeugung: Was kannst du präventiv dagegen tun?

So wie bei anderen Krankheiten lassen sich auch gegen diese Krankheit vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Achte darauf, dass du möglichst ausgewogen und abwechslungsreich isst. All die unzählbar vielen Vorgänge in deinem Körper sind unmöglich zu überwachen und die beste Chance durch Ernährung gesund zu bleiben ist, möglichst breit und ausgewogen viele verschiedene Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme zu konsumieren.

Die Ernährungswissenschaft (so wie die meisten anderen Wissenschaften auch) verdoppelt ihr Wissen alle zwei Jahre, also kannst du davon ausgehen, dass jetzige radikale Ernährungsmethoden in wenigen Jahren bereits wissenschaftlich wiederlegt worden sind.

Bewusste und gesunde Ernährung versus krankhaft oder suchthaft gesunde Ernährung

Grenzen zwischen dem bewussten und gesunden Ernähren und einer krankhaft gesunden Ernährungsweise sind fließend. Natürlich sind die meisten Menschen, die sich bewusst gesund ernähren, nicht krank.

Ganz im Gegenteil zeigen diverse Studien, dass eine richtige Ernährung zu besserem Körpergefühl und besserer Gesundheit (und vielen anderen tollen Vorteilen) führen kann.

Auch gibt es sicherlich mehr Menschen die sich ungesund ernähren, als Menschen, die „zu“ gesund essen. Das ändert allerdings nichts daran, dass es diese Menschen gibt.

Auch eine intensive Begutachtung dessen, was für Inhaltsstoffe die konsumierten Lebensmittel haben, ist durchaus wünschenswert. Wenn das alle Menschen tun würden, würde sich die Lebensmittelindustrie auch entsprechend anpassen (müssen).

Orthorexie hingegen ist ein zwanghaftes und unflexibles Essverhalten, das sich in übertriebener Art äußert. Der Wunsch einer gesunden Ernährung nimmt daher überhand und schlägt sich auch in andere Lebensbereiche nieder.

Orthorexia nervosa - Die ungesunde Sucht gesunder Ernährung

Dadurch werden Lebensmittel zum Lebensmittelpunkt.

Versuche durch Ernährung eine Ergänzung und einen positiven Effekt auf deine Gesundheit und das Wohlbefinden in deinem Leben zu erreichen und nicht deine Ernährung zu deinem Leben werden zu lassen.

Du musst nicht normal sein und das essen, was die Mehrheit tut. Normal bedeutet das zu tun, was die „Norm“ tut und davon halte ich im Bezug auf Ernährung überhaupt nichts. Übersteige allerdings nicht den Schritt in das Extreme.

Wenn du das nächste Mal eine Pizza zu einem tollen Anlass vor dir stehen hast, dann genieße sie bitte in vollen Zügen. Gesunde Ernährung äußert sich in der Kontinuität und daher machen Ausnahmen auch nichts aus.

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Hast du schon Erfahrungen mit dem Thema Essstörungen oder vielleicht sogar mit Orthorexia nervosa gemacht? Erzähle mir in den Kommentaren davon.

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